{"id":85,"date":"2020-10-24T11:30:36","date_gmt":"2020-10-24T09:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/konsumbibliothek.com\/?page_id=85"},"modified":"2021-03-03T12:42:44","modified_gmt":"2021-03-03T11:42:44","slug":"info","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/konsumbibliothek.com\/?page_id=85","title":{"rendered":"\u00fcber die Konsumbibliothek"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"http:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-708\" srcset=\"https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-300x200.jpg 300w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-768x513.jpg 768w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G-1200x801.jpg 1200w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek_G.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><strong>Konsumbibliothek<\/strong>, Kunsthalle G\u00f6ppingen 2020, (Foto: Frank Kleinbach)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-white-background-color has-background-dim\" style=\"min-height:101px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe starke Konsumentinnen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">seit \u00fcber 20 Jahren sammle ich Konsumprodukte. Ich gehe dazu weltweit in Superm\u00e4rkte, dort wo die Menschen aus allen Gesellschaftsschichten einkaufen. Dadurch habe ich eine sehr gro\u00dfe und internationale Konsumprodukte Sammlung. Diese Sammlung ist f\u00fcr mich wie eine Bibliothek. Ich kann darin lesen was uns Konsumb\u00fcrgern gerade wichtig ist und entwickle daraus meine Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den vielen Jahren habe ich die unterschiedlichsten Themen gesammelt. Dabei habe ich unter anderem auch festgestellt, dass sich die Begriffe nat\u00fcrlich immer wieder ver\u00e4ndern und auch neue hinzukommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was erwarten wir uns vom Leben? Was besch\u00e4ftigt und treibt uns als Konsumb\u00fcrger um und an? Gl\u00fcck, Liebe, Freiheit und Wohlstand als Grundvoraussetzung? Hier in Deutschland und Europa leben wir erstmalig seit \u00fcber 70 Jahren in Frieden und beispiellosen Wohlstand. Wir leben nahezu in paradiesischen Zust\u00e4nden und wertsch\u00e4tzen dies leider viel zu wenig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist eigentlich ein Supermarkt? Was zwingt und verf\u00fchrt uns da hineinzugehen? Superm\u00e4rkte, mit all den Konsumprodukten wollen auf den ersten Blick dass wir gl\u00fccklich sind. Das Sortiment eines Supermarktes sichert zun\u00e4chst unser \u00dcberleben, und das am Besten noch mit gro\u00dfem Entertainment Effekt: sch\u00f6n, bunt und perfekt inszeniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Existenz und Bewusstsein sind zwei Grunds\u00e4tzliche Werkzeuge, die jedem Menschen und Konsumenten zur Verf\u00fcgung stehen, jeder Zeit und in jeder Lebenslage. Wir manipulieren uns alle t\u00e4glich selbst und wir werden auch manipuliert von unserer Umwelt und nat\u00fcrlich auch von den Konsumprodukten und deren unterschiedlichsten&nbsp;&nbsp;Inszenierungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir habe t\u00e4glich die Wahl und k\u00f6nnen Unterscheiden was wir kaufen und was nicht. Und wenn wir uns dar\u00fcber Bewusst sind was wir tun wenn wir einkaufen, sind wir Manipulationen nicht hilflos ausgeliefert. Wir k\u00f6nnen mit vollem Bewusstsein die sch\u00f6nen Inszenierungen genie\u00dfen und jeden Moment neu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1994 ging ich an den Str\u00e4nden von Los Angeles entlang um Muscheln zu sammeln. Was ich fand waren zerriebene Plastikobjekte. Ich folgte ihrem Ursprung und landete in den megagro\u00dfen Superm\u00e4rkten der USA, die 24 h ge\u00f6ffnet hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier hielt ich mich Monate lang auf und beobachtete die Konsumenten beim einkaufen. Hier entstanden meine ersten \u201eFarb-Eink\u00e4ufe\u201c, ganz bewusst nicht nach dem Inhalt sondern nur nach dem Design und der Farbe Konsumprodukte auszuw\u00e4hlen und einzukaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute orientiere ich mich haupts\u00e4chlich an den Themen auf der Verpackung. Mein Anliegen ist ein sehr existentielles! Ich k\u00f6nnte in unserer Gesellschaft nicht \u00fcberleben ohne mich mit dem Thema Konsum auseinanderzusetzten. Mit dem Konsum und unserem materialistischen Denken regieren und unterjochen wir unsere Welt sowie uns selbst. Mit meinen Arbeiten erinnere ich an unser Denken und unser Bewusstsein und daran welche M\u00f6glichkeiten und Chancen wir jeden Tag haben unseren Geist zu nutzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Marketing Inszenierungen richten sich haupts\u00e4chlich an uns Frauen, wir haben auch im allt\u00e4glichen Konsum die Hosen an, das ist eine gro\u00dfe rationale und irrationale Herrausforderung und Verantwortung. Mit der Idee der \u201estarken Konsumentin\u201c m\u00f6chte ich uns Frauen an unsere Macht und unsere geschichtlichen Vork\u00e4mpferinnen, die Suffragetten erinnern, wie man Haltung ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kunst ist eine der wenigen Freir\u00e4ume unserer Gesellschaft. Kant nennt Ihn auch den \u201einteressenlosen Raum\u201c &#8211; ein Ort offen f\u00fcr Reflexionen und ohne Vorurteile. Ich m\u00f6chte dass wir mit dem komplexen und behafteten Thema Konsum erstmal ebenso wertefrei umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stephanie Senge, K\u00fcnstlerstatement, 2020<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-white-background-color has-background-dim\" style=\"min-height:61px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed alignwide is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Bazon Brock \u00fcber Stephanie Senge und die Konsumbibliothek\" width=\"710\" height=\"399\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lMcXXmRfuiU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption><strong>Bazon Brock \u00fcber Stephanie Senge und die Konsumbibliothek<\/strong> , Denkerei, Berlin, 2020, <strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.bazonbrock.de\" target=\"_blank\">www.bazonbrock.de<\/a><\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-white-background-color has-background-dim\" style=\"min-height:74px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left wp-block-heading\"><strong>Bekenntnismedien in Wohlstandszeiten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-left wp-block-heading\"><strong>Stephanie Senges Konsumbibliothek und ihre Produkte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\">von Wolfgang Ullrich<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Noch vor einigen Jahrzehnten w\u00e4re der Idee einer Konsumbibliothek wohl mit viel Unverst\u00e4ndnis begegnet worden. Wieso h\u00e4tte man darauf kommen sollen, Konsumprodukte mit B\u00fcchern zu vergleichen? Kann es \u00fcberhaupt Unterschiedlicheres geben als das hochkulturelle Medium \u201aBuch\u2019 und die massenkulturellen, von vornherein nur an Profit ausgerichteten Welten des Konsums?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Die Wohlstandskultur hat jedoch nach und nach dazu gef\u00fchrt, dass mittlerweile viele Konsumprodukte eine hohe semantische Dichte aufweisen und daher tats\u00e4chlich \u00e4hnlich wie Texte Stoff zur Interpretation und Diskussion bieten. An die Seite von Schriftgelehrten k\u00f6nnten also Produktgelehrte und Produktexperten treten, die \u00fcber die Botschaften der Produkte, \u00fcber ihre Narrative und Dramaturgien debattieren. Sie w\u00fcrden anerkennen, dass viele heute vornehmlich durch Produkte sozialisiert \u2013 in ihrem Wahrnehmen und Verhalten gepr\u00e4gt \u2013 werden. Eine fr\u00fchere Form von Konsumkritik, die ma\u00dfgeblich durch Wolfgang Fritz Haugs Buch \u201eKritik der Waren\u00e4sthetik\u201c (1971) formuliert wurde, der Produkte prim\u00e4r als Waren ansieht und ihr Design daher auf ihren Tauschwert bezieht, ist damit zwar nicht \u00fcberholt, aber zu einseitig. Sie muss durch eine Konsumkritik als Medienkritik erg\u00e4nzt werden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Stephanie Senge, die sich in ihrem Werk schon seit rund zwei Jahrzehnten mit verschiedenen Aspekten der Konsumkultur auseinandersetzt und Produkte in vielen Arbeiten als Ideengeber genutzt hat, bietet mit ihrem Konzept einer Konsumbibliothek die Grundlage f\u00fcr eine solche Medienkritik. Diese Bibliothek ist selbst jedoch genauso wenig kritisch wie eine herk\u00f6mmliche Bibliothek, doch durch das, was in ihr gesammelt und kategorisiert wird, bereitet sie die Grundlage f\u00fcr diverse \u2013 und damit auch kritische \u2013 Analysen. Sie l\u00e4dt dazu ein, Produkte in immer wieder anderer Hinsicht miteinander zu vergleichen, einzeln zu betrachten sowie als Objekte ernst zu nehmen. Eine medienkritische, aber auch gesellschaftspolitische Betrachtung der Produkte legt Senge insofern nahe, als sie sich in ihrer Auswahl darauf konzentriert, wie Themen, Weltanschauungen, Werte von den Herstellern in Szene gesetzt werden. Sie interessieren Produkte gerade dann, wenn sie mehr als die Erf\u00fcllung von Gebrauchswerten und materiellen Bed\u00fcrfnissen versprechen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Besonders aufschlussreich sind etwa Abteilungen mit Produkten, in denen auf unterschiedliche Weise \u201aZeit\u2018 verhandelt wird. So kann ein Produkt suggerieren, mit ihm sei man ganz in der Gegenwart (\u201eLife is now\u201c, \u201eDie beste Zeit ist jetzt\u201c), w\u00e4hrend ein anderes verspricht, etwas lasse sich damit besonders schnell, also zeitsparend (\u201eIm Nu\u201c) erledigen. Dahinter stehen jeweils Erwartungen von intensiv erlebter, sinnvoll genutzter Zeit, und letztlich geht es sogar um Ideen gegl\u00fcckten Lebens, zu dem beizutragen die Produkte verhei\u00dfen \u2013 kaum anders als ein Ratgeber oder ein philosophischer Traktat in einer Bibliothek. Aber man kann die in den Produkten propagierten Erfahrungsweisen von Zeit auch daraufhin untersuchen, welche Lebensstile sie beg\u00fcnstigen oder welche Defizite damit kompensiert werden sollen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">In einer anderen Abteilung stehen Produkte, die Frauen Mut machen (\u201eGibt Frauen Power\u201c) und sie zu Aktivismus und Engagement auffordern. Wieder andere Produkte hingegen wollen das Bewusstsein f\u00fcr ein \u201eWir\u201c, f\u00fcr Gemeinsinn und Solidarit\u00e4t st\u00e4rken. Senge hat aber auch zahlreiche Produkte in die Bibliothek aufgenommen, deren Titel schon Appelle sind und die wie Motivationstrainer auftreten (\u201eSei frei, verr\u00fcckt und gl\u00fccklich!\u201c, \u201ebelieve in yourself\u201c). Und selbst so hoch gegriffene Begriffe wie \u201aParadies\u2019, \u201aGl\u00fcck\u2019 und \u201aSeele\u2019 sind im zeitgen\u00f6ssischen Marketing ganz g\u00e4ngig \u2013 und werden entsprechend in eigenen Rubriken der Konsumbibliothek pr\u00e4sentiert.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Im Unterschied zu einer herk\u00f6mmlichen Bibliothek finden sich in Senges Konsumbibliothek aber keine Autorennamen. Vielmehr sind die Entwickler allt\u00e4glicher Produkte meist namenlos. Anders als bei exklusiven Designerst\u00fccken handelt es sich bei ihnen auch fast nie um individuelle Leistungen, sondern sie verdanken sich dem Zusammenspiel verschiedener Abteilungen und Akteure. Stephanie Senges Konsumbibliothek&nbsp;l\u00e4sst sich daher mit den Fotoserien von Bernd und Hilla Becher vergleichen. Deren ab den 1960er Jahren entstandenen Fotos von F\u00f6rdert\u00fcrmen, Hoch\u00f6fen oder Wassert\u00fcrmen w\u00fcrdigten eine namenlose Architektur, die sonst meist unbeachtet blieb, obwohl oder gerade weil sie den Alltag vieler Menschen pr\u00e4gte. Wie Bechers also Bauwerkstypen sammelten und dokumentierten, indem sie sie systematisch fotografierten, sammelt und dokumentiert Senge Produkttypen, die besonders viel \u00fcber die Priorit\u00e4ten, Sehns\u00fcchte und W\u00fcnsche der jeweiligen Gesellschaft verraten, in der sie produziert und verkauft werden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Allerdings ist es f\u00fcr Hersteller nicht zuletzt deshalb sehr verlockend, immer noch mehr Werte, noch hehrere Ideale in Szene zu setzen, weil sie ihre Produkte so auch teurer verkaufen k\u00f6nnen. Eine ideelle Aufladung verlangt sogar hohe Preise, damit die Botschaften als \u00fcberzeugend wahrgenommen werden. Umgekehrt kann man mit dem Kauf eines Produkts dann aber auch ein Wertebekenntnis ablegen, das umso glaubw\u00fcrdiger ausf\u00e4llt, je mehr Geld man ausgibt. Indem man ein finanzielles Opfer bringt, bekundet man die Ernsthaftigkeit, mit der man sich f\u00fcr bestimmte Ideale und Werte einsetzt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Die Werte- und Bekenntnisorientierung der Konsumkultur f\u00fchrt jedoch zu einer Paradoxie. So erscheint auf einmal etwa als \u00f6kologisch besonders sensibel und der Idee der Nachhaltigkeit mehr als andere verpflichtet, wer viele \u2013 teure \u2013 Produkte konsumiert, in denen der Wunsch nach einer \u00f6kologischeren und nachhaltigeren Welt zum Ausdruck kommt. Doch auch diese Produkte verbrauchen Ressourcen, sind also weniger \u00f6kologisch, als es ein Konsumverzicht w\u00e4re. Dieser jedoch l\u00e4sst sich nicht so plakativ und eindrucksvoll demonstrieren, denn wo es an finanziellem Einsatz fehlt, wird schnell mangelndes Engagement vermutet.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Die Aufladung von Produkten mit Werten und Idealen, ja die Verwandlung des Konsums zum Leitmedium einer neuen Bekenntniskultur d\u00fcrfte den Ressourcenverbrauch daher insgesamt erheblich steigern. So besteht immer wieder eine Legitimation, vielleicht sogar ein gewisser Druck, etwas zu kaufen, obwohl das, was man bisher nutzt, noch gar nicht verbraucht oder abgen\u00fctzt ist, nur weil das neue Produkt einen anderen Wert verk\u00f6rpert, zu dem man sich gerne auch noch bekennen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Dass viele Konsumenten sich angew\u00f6hnt haben, in den Sozialen Medien Fotos von Produkten zu verbreiten, mit denen sie ihren eigenen \u2013 materiellen oder immateriellen \u2013 Status unter Beweis stellen und Bekenntnisse zu einem Lifestyle und einer ideellen Haltung ablegen k\u00f6nnen, sorgt nochmals f\u00fcr zus\u00e4tzliche Konsumanreize. Und da andererseits Hersteller zunehmend darauf setzen, dass solche Fotos herk\u00f6mmliche Produktwerbung abl\u00f6sen, werden demonstratives Design und die Inszenierung von Werten noch weiter beg\u00fcnstigt. Denn je einfacher und eindeutiger sich mit solchen Fotos ein Wertbekenntnis ablegen l\u00e4sst, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Produkt eine Karriere bei Instagram, Pinterest oder TikTok macht und dadurch noch mehr Markterfolg hat.&nbsp;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Schon jetzt lie\u00dfen sich die Best\u00e4nde der Konsumbibliothek dazu verwenden, den Einfluss der Sozialen Medien auf das Produktdesign nachzuweisen. Die Arbeit an und mit der Konsumbibliothek kann aber vor allem immer wieder vor Augen f\u00fchren, dass Konsumprodukte verglichen mit B\u00fcchern und Texten, die lange Zeit das wohl wichtigste Medium f\u00fcr die Diskussion von Werten und Idealen waren, viel aufwendigere und wohlstandsabh\u00e4ngigere Medien sind. Das aber macht sie auch anf\u00e4lliger f\u00fcr Krisen, und es ist nicht ausgeschlossen, dass Stephanie Senges Konsumbibliothek schon bald als Dokument einer historischen Epoche betrachtet werden wird. Man wird sich dann wundern, was alles in Produkten thematisiert wurde und mit wie viel Aufwand man einzelne \u00dcberzeugungen in Design \u00fcberf\u00fchrte. Und schlie\u00dflich wird die Konsumbibliothek vielleicht sogar zur Kunst- und Wunderkammer des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leipzig, 2020      <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><a href=\"http:\/\/www.ideenfreiheit.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.ideenfreiheit.de<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"719\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003-719x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-690\" srcset=\"https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003-719x1024.jpg 719w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003-211x300.jpg 211w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003-768x1093.jpg 768w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003-1079x1536.jpg 1079w, https:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Konsumbibliothek003.jpg 1124w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><figcaption><strong>Konsumbibliothek und die starke Konsumentin<\/strong>, Denkerei, Berlin, 2018, (Foto: Ulrike Pfeiffer)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video aligncenter\"><video height=\"320\" style=\"aspect-ratio: 568 \/ 320;\" width=\"568\" controls src=\"http:\/\/konsumbibliothek.com\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_2721.mov\"><\/video><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe starke Konsumentinnen, seit \u00fcber 20 Jahren sammle ich Konsumprodukte. 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